Es ist Zeit, still zu werden. Genau jetzt.
Es ist dir sicher aufgefallen, dass deine innere Balance immer öfter herausgefordert wird. Du musst dich inzwischen aktiv um eine stabile Haltung bemühen, sonst verschiebt es dich von links nach rechts, von diagonal kreuz nach quer. Irgendetwas ist anders als "sonst". Du entwickelst dich schneller als jemals zuvor, gleichzeitig stellt das Leben mehr Spiegel auf, als dir manchmal lieb ist. Die Geschenke des Lebens werden dir förmlich hinterhergeworfen, wenn man das Leben als einen Freund betrachtet, der dich mit der Nase auf das stoßen will, das du versuchst zu übersehen. Sprich: du wirst derzeit massiv getriggert. Und das ausgerechnet in Themen, die du längst für abgeschlossen gehalten hast.
Halte nun bewusst inne und führ deine Aufmerksamkeit nach innen. Denn die Bereitschaft deines Unterbewusstseins ist nun groß, seine bestgehüteten, als dunkel verurteilten Geheimnisse aufzugeben. Die Zeit des erlösenden Erinnerns ist da. Endlich.
Suche dir gerne, so oft es dir möglich ist, eine Gelegenheit für den Rückzug zu Dir selbst. Zum Stillwerden, Lauschen, Wahrnehmen. Forsche nach Regungen, spüre in dein Sichanfühlen, registriere, wenn irgendetwas von innen anfängt, zu dir durchdringen zu wollen. Erlaube dir, dass nun auch die gefürchteten Anteile zu dir aufsteigen dürfen. Jene, die dich aus sorgsam verschachtelten Schutz-Labyrinthen heraus steuern, ohne dass du eine Nase daran bekämst, was mit dir "schon wieder" los ist. Kommt dir dann ein wirklich vertrautes, unangenehmes Gefühl hoch, lass es dich diesmal einfach einholen. Lass es geschehen. Bleib stehen. Lass es dich überkommen, und wisse, dass du damit endlich dein erlösendes Geschenk erhälst.
Doch bleibe offen, wie es zu dir kommen möchte, während du in dich abtauchst. Erwarte keine Spektakel-Bilder, Botschaften mit Donnerhall oder glasklares Erkennen von jetzt auf gleich. Beobachte nur.
Es ist nicht gesagt, dass die Welle des zurückgehaltenen Urthemas auf einmal in einem großen, schmerzhaften Crash über dir zusammenschlägt, auf dass du es dann aber mit Mut endlich schaffen musst, es nicht mehr zu verdrängen, sondern da sein zu lassen.
Es ist vielmehr möglich, dass es so subtil zu dir kommt, dass du genau hinspüren musst, weil es so sanft ist, so unerwartet liebend, so wohlwollend, dass es dir erstmal gar nicht auffällt. Oder sagen wir besser, dass es deinem Verstand nicht auffällt, der es gewohnt ist, dass man mit ihm eben redet "wie immer". Aber es ist ja diesmal "anders".
Es sind die feinen Töne, die Klartext sprechen in dieser Zeit, während du meditierst. Die vagen Eindrücke im Zustand des Erlaubens, Wohlgefühle mit Aussagekraft, betrachtende Gedanken, die auch von dir hätten kommen können und dir deshalb nicht auffallen.
Mein Tipp an dieser Stelle: Mache dir später ganz ohne Perfektion Notizen zu allem, was dir in Erinnerung geblieben ist. Nicht bewertend, einfach drauf los. Während dein Kopf dir noch meldet "och, da war ja nichts Besonderes", bemerkst du, dass es aber doch einen roten Faden gibt und der webt ein kraftvolles Bild des Erkennens. Es spricht so wahr und klar, dass du dich danach fragst, wie es möglich war, dass eine derart kraftvolle, starke, alles umwälzende heilende Wahrheit so zart daherkommen kann.
Alles, was es braucht, um das Verborgene aufsteigen zu lassen, ist die Absicht, dass es geschehen darf. Dann tritt einen Schritt zurück, warte unvoreingenommen. Beobachte, was geschehen will, greife nicht ein, erlaube alles zu sein, wie es ist. Halte nichts fest, denn es sind fließende Eindrücke, schnell und unbekannt, vertraue, dass nichts in der Erinnerung verloren geht. Dein Bewusstsein speichert zuverlässig.
Richte dir am besten 21 Tage am Stück ein Zeitfenster für deinen Rückzug ein. Vielleicht erst mal nur 10 Minuten, in denen du vom Hafen aus beboachtest, wie deine Gedanken wie Bötchen an dir vorbeiziehen, ohne, dass du in die Boote einsteigst. 21 Tage braucht das Gehirn, um dauerhaft neue Verknüpfungen herzustellen. Danach ist der Prozess gelernt und du wirst diesen gedankenlosen Schwebezustand immer leichter einzunehmen verstehen.
Warum ermuntere ich dich gerade jetzt?
Weil es jetzt nicht nur wichtig, sondern auch so einfach geworden ist, sich der heimlichen Schatten bewusst zu werden. Alles Verborgene möchte sich nun zeigen dürfen. Es möchte darin geheilt werden. Du sehnst dich nach Frieden, von dem du selbst dich bislang abgehalten hast. Aber das darf jetzt vorbei gehen.
Alles, was es braucht, ist deine Entscheidung, Aufmerksamkeit, Stille.
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